Im Angesicht der globalen Energiekrise sowie anhaltenden europäischen Abhängigkeiten in der Wirtschaft, im Verteidigungsbereich sowie der digitalen Revolution stehen die EU und ihre Mitgliedstaaten vor tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Um die vertiefte Zusammenarbeit Deutschlands und Italiens in diesen Bereichen voranzutreiben, haben sich sechzig junge Führungskräfte aus Deutschland und Italien über zwei Monate hinweg mit zentralen europäischen Zukunftsfragen beschäftigt. In vier Workshops, online und in Präsenz, entwickelten sie Handlungsempfehlungen für beide Regierungen:
Im Bereich Handel und Wirtschaftswachstum standen koordinierte Investitionen in wettbewerbsfähige Zukunftsbranchen, Ansätze zur Entbürokratisierung nationaler Steuersysteme sowie die Einrichtung einer europäischen Datenbank zu Engpässen bei Rohstoffen im Fokus.
Die Arbeitsgruppe der Sicherheits- und Verteidigungspolitik schlug einen erweiterten europäischen Sicherheitsrat unter Einbindung verbündeter Drittstaaten, stärkere Anreize für europäische Rüstungskooperationsprojekte sowie Städtepartnerschaften zur gesellschaftlichen Vorbereitung auf Krisenfälle vor.
Im Bereich Energieresilienz standen europaweite Recyclingsysteme für Lithium, der Ausbau grenzüberschreitender Energieinfrastruktur zwischen Italien und Deutschland sowie die stärkere Öffnung des Wasserstoffmarktes für kleine und mittlere Unternehmen im Vordergrund.
Die Arbeitsgruppe zu EU-Herausforderungen im Bereich Künstliche Intelligenz befasste sich mit der Einrichtung einer europäischen Datenbank zur KI-Nutzung in der Privatwirtschaft, dem Ausbau von KI-Bildungsstrukturen für Senior:innen sowie der Schaffung nationaler Ombudsstellen für von KI betroffene Bürger:innen.
Aufbauend auf den vorbereitenden Online-Workshops arbeiteten die Teilnehmenden während der drei Konferenztage an der Präzisierung zentraler Problemstellungen und der Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen. Am zweiten Tag der Konferenz hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, ihre Empfehlungen mit Gunther Krichbaum, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, zu diskutieren, der die einzelnen Arbeitsgruppen besuchte.
Ergänzt wurde das Programm durch Vorträge und Paneldiskussionen des NEXT-Forums, einer gemeinsamen Veranstaltung von ISPI, der OECD und der Bocconi-Universität.
Am Ende der Konferenz präsentierten die Teilnehmenden ihre finalen Empfehlungen and die deutsche und italienische Politik im Rahmen eines Gallery Walks. Susanne Welter, deutsche Generalkonsulin in Mailand, sowie Andre Silvestri, Stellvertretender Generaldirektor und Zentraldirektor für europäische Länder im italienischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Zusammenarbeit, gaben hierzu konstruktives Feedback. Die Handlungsempfehlungen werden in Kürze auf der IEP-Website veröffentlicht.
Das Spinelli Forum ist eine gemeinsame Initiative des Auswärtigen Amtes und italienischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit, organisiert vom IEP und ISPI. 2026 fand es zum sechsten Mal statt.