Mit den Berichten von Mario Draghi und Enrico Letta sowie zahlreichen weiteren europäischen Initiativen liegen konkrete Reformvorschläge vor. Nun steht vor allem die Umsetzung im Fokus: Wirtschaftliche Abhängigkeiten durch die Ausgestaltung internationaler Partnerschaften auf Augenhöhe reduzieren, die Kapitalmarktunion verwirklichen, gemeinsame Beschaffung im Rüstungsbereich umsetzen und eine mutigere Nutzung neuer Schlüsseltechnologien wie KI. Im Expert:innengespräch ging es vor allem um den österreichischen Blick auf die lange Liste von Vorschlägen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbs- und Verteidigungsfähigkeit.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der zukünftigen Ausgestaltung des EU-Erweiterungsprozesses. Diskutiert wurden unter anderem das deutsch-französische Non-Paper zur graduellen Integration der Staaten des Westbalkans sowie das von Österreich gemeinsam mit Tschechien, Italien, Slowenien und der Slowakei vorgelegte Non-Paper zur sektoralen Integration in den Binnenmarkt. Dabei ging es auch um die Frage, wie sich Erweiterung und institutionelle Reformen miteinander verbinden lassen.
Zudem wurde ein Perspektivwechsel auf die institutionelle Komplexität und die Abstimmungsprozesse der EU vorgenommen. Zwar können langwierige Verfahren Entscheidungen verlangsamen, doch in Zeiten politischer Polarisierung und erstarkender euroskeptischer Kräfte stärken sie auch die Resilienz des EU-Systems. Die europäische Handlungsfähigkeit hängt also auch davon ab, Flexibilität und Geschwindigkeit mit demokratischer Absicherung und institutioneller Stabilität in Einklang zu bringen.
Moderiert wurde die Diskussion von IEP-Direktorin Funda Tekin. Das Europagespräch fand am 14. September 2026 am IEP mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts statt.