Die EU-Erweiterung ist zurück auf der politischen Agenda – und sie wird zunehmend als geopolitisches Instrument verstanden. Beim Europagespräch diskutierten Funda Tekin, Direktorin des Instituts für Europäische Politik, und Markus Knauf, Leiter der Abteilung EU-Erweiterung im Auswärtigen Amt, über die Chancen und Herausforderungen einer neuen Erweiterungsrunde.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die EU auf die veränderte geopolitische Lage reagieren kann, ohne ihre grundlegenden Beitrittskriterien aufzugeben. Während die Erweiterung als wichtiger Beitrag zur Stabilisierung Europas gilt, betonte Funda Tekin, dass Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Reformfähigkeit weiterhin zentrale Voraussetzungen für einen EU-Beitritt bleiben müssen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die EU, ihre eigenen Strukturen auf eine größere Union vorzubereiten. Diskutiert wurden insbesondere Reformen der Entscheidungsverfahren sowie Möglichkeiten einer schrittweisen Integration von Kandidatenländern, um Fortschritte bereits vor einer Vollmitgliedschaft sichtbar zu machen.
Deutlich wurde: Die Zukunft der EU-Erweiterung hängt sowohl von der Reformbereitschaft der Beitrittskandidaten als auch von der Fähigkeit der EU ab, ihre eigene Handlungsfähigkeit zu sichern.
Das Europagespräch fand am 20. Juni 2026 im Rahmen des Tags der offenen Tür des Auswärtigen Amts statt. Moderiert wurde die Diskussion von Laura Christoph, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IEP.