Nach der Veröffentlichung des Erweiterungspakets 2025 organisierte das IEP eine Podiumsdiskussion, um die wachsende Bedeutung der EU-Erweiterung und die Rolle der Zivilgesellschaft bei ihrer Gestaltung zu beleuchten. Die Erweiterung ist inzwischen eine Priorität der EU-Agenda, getragen vom Ziel, Europas Sicherheit, demokratische Widerstandsfähigkeit und gemeinsamen Wohlstand zu stärken. Gleichzeitig begegnet diese politische Ambition anhaltender Skepsis: Die Zustimmung zu einer erweiterten Union liegt europaweit im Schnitt bei 56 %, in Deutschland bei 49 %. Oft resultiert diese Zurückhaltung aus einem begrenzten Verständnis des Beitrittsprozesses. Die Schließung dieser Informationslücke ist entscheidend – nicht zuletzt, weil der endgültige Beitritt in mehreren Mitgliedstaaten von Referenden abhängt.
Die Erweiterung ist kein fernes Projekt, sondern ein realistischer, wenn auch zeitlich sensibler nächster Schritt. Das Erweiterungspaket 2025 verdeutlicht allerdings große Unterschiede zwischen den Kandidatenländern: Während Vorreiter wie Albanien und Montenegro für ihre zügigen Reformen gelobt werden, kämpfen andere Staaten mit demokratischen Rückschritten. Ein konsequent leistungsorientierter Ansatz bleibt daher langfristig der fairste und nachhaltigste Weg.
In diesem Prozess erweist sich die Zivilgesellschaft als „fehlendes Glied“ – nicht wegen ihrer Abwesenheit, sondern weil ihre Rolle stärker unterstützt werden muss, um bestehende Lücken wirksam zu schließen. In vielen Regionen wird der Handlungsspielraum zivilgesellschaftlicher Organisationen durch einengende Gesetze und den schrumpfenden öffentlichen Raum bedroht. Die Podiumsteilnehmer betonten, dass ein erfolgreicher Beitritt engagierte Bürger:innen sowohl in den Kandidatenländern als auch in der EU erfordert. Wenn Bürger:innen und Zivilgesellschaft den Prozess verstehen und aktiv mitgestalten, stärkt dies die Legitimität der Erweiterung.
An der Podiumsdiskussion nahmen teil: Barbara Gessler (Europäische Kommission, Leiterin der Vertretung, Europäische Kommission), Dr. Anton Hofreiter (Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender des Ausschusses für Europaangelegenheiten), Markus Knauf (Auswärtiges Amt, Leiter der Abteilung für Grundsatzfragen der EU-Außenbeziehungen), Andi Dobrushi (Open Society Foundations Western Balkans, Direktor) und Karyna Hasymova (DEJURE Foundation, Advocacy Manager). Moderiert wurde die Diskussion von der Direktorin des IEP, Prof. Dr. Funda Tekin.
Das Europagespräch hat am 13.11.2025 im Rahmen des RESILIO-ACCESS Civil Society Forum stattgefunden.

