Die EU-Perspektive Montenegros und Albaniens hängt nicht allein von Fortschritten bei Reformen und der Erfüllung formaler Beitrittskriterien ab. Zunehmend entscheidend sind auch innenpolitische Eigenverantwortung, bilaterale Beziehungen, sicherheitspolitische Herausforderungen, öffentliche Kommunikation und die politischen Dynamiken innerhalb der EU. Im Rahmen des GuiDE Accession Diagnostic Event diskutierten Expert:innen und Wissenschaftler:innen aus dem Westbalkan und Deutschland, die sich mit der EU-Erweiterung in Südosteuropa befassen, die politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Faktoren, die den Beitrittsverlauf Montenegros und Albaniens prägen, und untersuchte mögliche Wege zur EU-Mitgliedschaft.
Montenegro, das derzeit in den Beitrittsverhandlungen weiter fortgeschritten ist, profitiert von einem starken und langjährigen proeuropäischen politischen und gesellschaftlichen Konsens. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen, darunter Schwierigkeiten versfassungsändernde parlamentarischer Mehrheiten für wichtige Reformen zu mobilisieren, begrenzte Verwaltungskapazitäten und ungelöste bilaterale Streitigkeiten mit Kroatien. Weiterhin nehmen hybride Bedrohungen zu, die darauf abzielen, Montenegros Weg in die EU zu behindern. Es ist zudem notwendig, bereits vor dem offiziellen Abschluss der Beitrittsverhandlungen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten politische Unterstützung für die Ratifizierung aufzubauen.
Im Falle Albaniens zählen zu den wichtigsten Treibern die sehr starke öffentliche Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft, die vollständige Angleichung an die EU-Außenpolitik sowie erhebliche Fortschritte bei der Justizreform. Risiken bestehen in demokratischen Herausforderungen und Schwierigkeiten in Bereichen wie der Umsetzung von Umweltstandards. Die Expert:innen betonten zudem, wie wichtig es sei, bilaterale Fragen proaktiv anzugehen und die Kommunikation auf die Prioritäten der einzelnen EU-Mitgliedstaaten abzustimmen.
Deutschland kann durch verstärktes politisches und diplomatisches Engagement, die Unterstützung glaubwürdiger Reformen im Bereich der Rechtsstaatlichkeit sowie eine nachhaltige Zusammenarbeit mit Regierungen, Parlamenten und der Zivilgesellschaft einen Beitrag leisten.
Die Veranstaltung wurde eröffnet von IEP Direktorin Funda Tekin und Klodjan Seferaj, Programm-Manager bei Open Society Foundations – Western Balkans. Zoran Nechev, Senior Research Fellow am IEP, moderierte die Diskussion. Zu Montenegro sprach Nenad Koprivica, Policy-Experte und Wissenschaftler; zu Albaniens EU-Integration sprachen Alba Çela, Executive Director, Albanian Institute for International Studies und Odeta Barbullushi, Resident Professor, Department of European Transformation and Integration Studies, College of Europe.
Die Veranstaltung fand am 11. September 2026 mit freundlicher Unterstützung der Open Society Foundations – Westbalkan statt.