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Lernen Sie die Eurasia Lab-Fellows kennen
25.01.2021

Unsplash
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Drei Forschungsteams für das Fellowship sind ausgewählt und werden vorgestellt.

Das „Eurasia Lab & Fellowship Program“ rief NachwuchswissenschaftlerInnen, die zu Zentralasien, dem Südkaukasus und Osteuropa arbeiten, auf, sich mit ihren Forschungsideen für das Stipendienprogramm zu bewerben. Bis Mai 2021 unterstützt das Programm die drei herausragendsten Forschungsprojekte mit einem einmaligen Stipendium von bis zu 9.000 Euro und bietet den ForscherInnen die Möglichkeit, sich durch verschiedene Programmveranstaltungen in das Netzwerk des IEP zu integrieren sowie an der Podcast-Reihe des EurasiaLab mitzuwirken

Wir erhielten eine überwältigende Anzahl von 97 Bewerbungen von einzelnen ForscherInnen wie auch von Forschungsteams. Die meisten Bewerbungen kamen aus Zentralasien, gefolgt vom Südkaukasus und Osteuropa. Bezogen auf die einzelnen Länder erreichten uns die meisten Bewerbungen aus Georgien, gefolgt von Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan. In den vorgeschlagenen Forschungsthemen spiegelten sich die transformativen politischen und sozio-ökonomischen Entwicklungen in Eurasien wider. Ein Großteil der Forschungsanträge hatte verschiedene aktuelle Trends in der Region im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie, politische Konflikte, Korruption sowie zivilgesellschaftliche Akteure und Initiativen, die die politische Landschaft der Region prägen, zum Gegenstand.

Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um allen ForscherInnen und Forschungsteams für ihre Bewerbung und ihr Interesse an unserem Programm zu danken. Das überwältigende Interesse an den Entwicklungen und Herausforderungen in der Region in einer Zeit wie dieser dient uns als Inspiration und bestärkt uns in unserem Engagement, zu Eurasien arbeitende ForscherInnen zu vernetzen.

Unter allen Bewerber:innen überzeugten uns drei Forschungsteams am meisten von ihrer Exzellenz und Eignung für unser Fellowship-Programm durch ihre allgemeine akademische Qualität, herausragenden Forschungsdesigns und Themenvorschläge. Eine kurze Darstellung der Teams, ihrer Forschungsprojekte und den gemeinsam erstellten Podcast-Episoden finden Sie nachstehend.

Die Eurasia Lab-Fellows

Vasil Navumau und Olga Matveieva: „Prospects of Post-Authoritarian Transformation in Belarus: Tracing Civic and Political Initiatives for Democracy Promotion“

Das Projekt zielt darauf ab, zivilgesellschaftliche Initiativen, die im Zuge der Massenmobilisierung nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen in Belarus im Jahr 2020 aufkamen, zu identifizieren. Diese Phase ist gekennzeichnet durch den Übergang von der zuvor präferierten Strategie des „collective exit“ aus politisch aufgeladenen Themen zurück zur „collective voice“ oder dem Protest gegen die Behörden. Das Forschungsprojekt analysiert diese zivilgesellschaftlichen Initiativen und setzt sie mit den existierenden Instrumenten der Östlichen Partnerschaft und den EU-Mechanismen in Verbindung, um den Dialog über eine friedliche Konfliktregelung in Belarus zu erweitern. Darüber hinaus identifiziert das Projekt mögliche Kooperationsansätze zwischen der EU und der belarussischen Zivilgesellschaft.

Vasil Navumau, PhD in Soziologie, ist Visiting Fellow am Center for Advanced Internet Studies (Bochum) und zivilgesellschaftlicher Aktivist. Er ist Autor einer Monographie sowie verschiedener Publikationen zu Protestbewegungen in Belarus und russischer Desinformation in Belarus. Olga Matveieva, PhD in öffentlicher Verwaltung, ist Associate Professor am Institute for Public Administration. Ihre Forschungsinteressen umfassen E‑Governance, „contentious politics“, Gender-Fragen sowie globale Herausforderungen für öffentliche Verwaltungssysteme. Vasil und Olga veröffentlichten mehrere in Ko-Autorenschaft verfasste Artikel mit einer vergleichenden Perspektive zu den Protesten in Belarus („Revolution of Consistency“) und in der Ukraine (Euromajdan) sowie zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Geschlechtergleichstellung in den beiden Ländern.

Zwischenreport (April 2021)

Mit Stand April 2021 hat das Forschungsteam fast 50 wichtige zivilgesellschaftliche Initiativen identifiziert. Die Mehrheit von ihnen widmet sich der direkten Hilfe für BelarussInnen, die unter den Protesten gelitten haben. Während die meisten Initiativen keine spezifischen Zielgruppen ansprachen, boten einige von ihnen Unterstützung speziell auf der Grundlage von Alter, Geschlecht sowie sozialem, politischem und wirtschaftlichem Hintergrund. Aus sozialer Sicht beispielsweise, richtete sich die Hilfe an Gruppen, die durch die Repressionen und die Pandemie besonders gefährdet waren. In Bezug auf das Alter zielten die Initiativen auf Lösungen für die sich abzeichnenden Probleme der Menschen im jungen und mittleren Alter sowie Ältere ab, die sich nicht schnell genug an die neue Realität anpassen konnten. Die angespannte Situation mit Protesten, Massenverhaftungen und Unruhen auf den Straßen, die durch brutale Polizeiaktionen provoziert wurden, hat sich durch die wachsende Zahl der mit COVID-19 infizierten Bürger verschärft. Diese explosionsartige Zunahme der Anzahl von Bürgerinitiativen ist ein Zeichen für eine wiederauflebende, lebendige Zivilgesellschaft, die wiederum einen Indikator für die tiefgreifenden Veränderungen in Belarus darstellen könnte.

Mehr über das Projekt von Olga und Vasil Mehr erfahren Sie in der ersten Folge des “Eurasia on the Move”-Podcasts.

Azizjon Berdiqulov, Muslimbek Buriev und Sergey Marinin: „Civil Society and the COVID-19 Governance Crisis in Kyrgyzstan and Tajikistan”

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Dynamiken der Aktivitäten von zivilgesellschaftlichen Organisationen während der COVID-19-Pandemie in Kirgisistan und Tadschikistan zu identifizieren und zu charakterisieren. Insbesondere wird untersucht, welche Rolle zivilgesellschaftliche Organisationen während der Krise eingenommen haben, um die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Das Hauptanliegen des Forschungsprojektes ist es, basierend auf dieser Analyse Empfehlungen zu entwickeln, wie lokale Regierungen und internationale Organisationen die Strategien eines nichtstaatlichen krisengetriebenen Aktivismus in ihre jeweiligen Politikansätze integrieren können.

Das Team besteht aus drei aufstrebenden Wissenschaftlern, die in verschiedenen Bereichen arbeiten, aber einen gemeinsamen akademischen Hintergrund haben. Durch ihre Erfahrungen in der Leitung von diversen Forschungsprojekten haben die Teammitglieder sowohl ihre Forschungs- als auch ihre Projektmanagement-Fähigkeiten weiterentwickelt. Über die enge Zusammenarbeit mit Experten, staatlichen sowie nichtstaatlichen Akteuren haben sie solide Kompetenzen in der Analyse der Politiken Zentralasiens in Bezug auf Zivilgesellschaft und Demokratisierungsprozesse, Menschenrechte und politische Mobilisierung von Minderheiten erworben. Das Team kann – auch für die Umsetzung ihres Forschungsprojekts – auf ein diverses Netzwerk insbesondere im zentralasiatischen Kontext zurückgreifen, wo persönliche Kontakte für die Informationsbeschaffung eine entscheidende Rolle spielen.

Zwischenreport (April 2021)

Eine der wichtigsten Erkenntnisse über die bisherigen Entwicklungen in Kirgistan war die Tatsache, dass viele unserer Interviewpartner die Arbeit zur Unterstützung von Schlüsselgruppen (wirtschaftlich Benachteiligte, Behinderte usw.) fortsetzen. Einige äußerten sogar ihre Bereitschaft, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren, indem sie für einen Sitz im Gemeinderat kandidierten, was auf ihr nachhaltiges Engagement für Veränderungen hinweist. Generell hat sich jedoch keine grundlegende Veränderung in der öffentlichen Einstellung gegenüber NGOs ergeben. Die lokalen Behörden sind eher zur Kooperation bereit; die Zentralregierung und die Beamten der Hauptstadt sind dem dritten Sektor gegenüber weniger wohlwollend eingestellt. In Tadschikistan teilten einige Befragte mit, dass sie während der Pandemie eine gute und effektive Zusammenarbeit mit den verantwortlichen öffentlichen Stellen hatten, die auf bereits guten Beziehungen durch gemeinsame Initiativen und die Zusammenarbeit in der Vergangenheit aufbauten. Bis auf den Fall eines Befragten gab es keine Herausforderungen oder Hindernisse von staatlicher Seite für Hilfsprojekte und ‑aktivitäten. Unterschiedliche Kontexte für die NGO-Arbeit in beiden Ländern und das Maß an politischer Freiheit beeinflussten die zivilgesellschaftliche Reaktion auf die Pandemie-bedingte Krise. Dennoch zeichnen sich in beiden Staaten klare Tendenzen ab, die aufzeigen, dass NGOs und eine Vielzahl von Freiwilligengruppen den Staat entweder vollständig ersetzt oder zahlreiche Lücken überbrückt haben, die durch die staatliche Nachlässigkeit entstanden sind. Nichtsdestotrotz haben die Zivilgesellschaften in beiden Ländern eher ein kooperatives als ein alternatives Modell der Interaktion gewählt, in dem das Zusammenspiel von Staat und NGOs auf den unteren Ebenen mäßig erfolgreich war.

Mehr über das Forschungsprojekt von Azizjon, Muslimbek und Sergey erfahren Sie in der zweiten Folge des “Eurasia on the Move”-Podcasts.

Mihai-Razvan Corman and Eliana Coraci: “EU external anti-corruption promotion. A case study on the Republic of Moldova”

Das Forschungsprojekt „EU external anti-corruption promotion. A case study on the Republic of Moldova“ hat zum Ziel, die grundlegenden Faktoren, die die Antikorruptionspolitik der EU in Moldau fördern, zu identifizieren. Dabei stehen die rechtlichen Kompetenzen und Instrumente der EU zur Korruptionsbekämpfung in Moldau im Fokus. Dem Projekt liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Republik Moldau eines der korruptesten Länder der Welt ist. Die Förderung der EU-Korruptionsbekämpfung ist von hoher politischer Relevanz für die Zukunft der EU-Moldau-Beziehungen sowie für die Bestrebungen des Landes, eine Demokratie nach europäischem Vorbild, mit einem funktionierenden Rechtsstaat sowie einer freien, friedlichen und wohlhabenden Gesellschaft, zu werden.

Mihai-Razvan Corman ist Doktorand an der Universität Gent und freier Berater für die Europäische Kommission und das Institute of European Democrats, einem vom Europäischen Parlament geförderten Think-Tank. Eliana Coraci ist Wissenschaftlerin und Analystin mit Expertise zu Desinformation in der Östlichen Partnerschaft. Aktuell ist sie für die NATO in Brüssel tätig. Nicolas Heger ist Programmkoordinator an der Kyiv Mohyla Academy (NaUKMA) und Berater für die GIZ Ukraine. Mihai, Eliana und Nicolas sind Mitglieder und Research Fellows des Deutsch-Moldauischen Forums, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Chisinau zur Förderung des europäischen Integrationsprozesses in Moldau.

Zwischenreport (April 2021)

Für den Europarat, dessen langjähriges Mitglied Moldau ist, ist die Bekämpfung der Korruption ein unverzichtbares Element für einen demokratischen Staat und die Rechtsstaatlichkeit. Unser Projekt untersucht die Art und das Ausmaß der Korruption in Moldau, analysierte zwei wichtige externe Akteure, die die Korruption im Land bekämpfen wollen — die Europäische Union (EU) und der Europarat — und stellte die wichtigsten rechtlichen Instrumente dar, mit denen die EU ihre Antikorruptionspolitik gegenüber Moldau verfolgt. Wir haben vier Interviews mit moldauischen RegierungsvertreterInnen, NGO-VertreterInnen und BeamtInnen der EU-Delegation in Moldau und des Europarats geführt. Während die EU hohe Ambitionen in Moldau hat, werden ihre Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung durch die Grenzen ihrer internen rechtlichen Kompetenzen eingeschränkt. Zwischen April und Mai 2021 wird das Projekt auf den durchgeführten Untersuchungen aufbauen. Durch die Analyse der aktuellen Politik gegen Betrug und der illegalen Parteienfinanzierung, wird das Projekt untersuchen, ob das selbsternannte Ziel der EU, die Korruption in Moldau zu bekämpfen, tatsächlich durch das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Moldau unterstützt wird.

Mehr über das Forschungsprojekt von Mihai und Eliana erfahren Sie in der dritten Folge des “Eurasia on the Move”-Podcasts.

Über das Eurasia Lab and Fellowship Programm Projekt: Nachwuchswissenschaftler:innen aus Osteuropa und Eurasien werden mit Stipendien gefördert, ihre Forschungsprojekte zu realisieren. Außerdem vernetzen sie sich durch das Eurasia Lab & Fellowship Program mit anderen Forscher:innen und Aktivist:innen, die zu der Region arbeiten.

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