2. PAIC-Workshop in Kiew mit Vertretern ukrainischer Think Tanks: „Professional Scientific Standards and Policy Analysis“

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Das Institut für Europäische Politik (IEP) hat vom 18. bis 20. Oktober den Workshop „Professional Scientific Standards and Policy Analysis“ für VertreterInnen ukrainischer Think Tanks in Kiew durchgeführt.

Die 16 TeilnehmerInnen des Workshops arbeiten für Think Tanks, die in den Bereichen Soziales, sowie Innen- und Außenpolitik tätig sind und sowohl aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew als auch aus anderen ukrainischen Regionen stammen. Unter Führung von Ljudmyla Melnyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Politik, Oksana Huss, Doktorandin am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Mitgründerin der Internationalen Initiative zur Korruptionsforschung (ICRnetwork), sowie Katerina Bosko, Redakteurin der „Ukraine-Analysen“ und Wissenschaftlerin an der Forschungsstelle Osteuropa (Bremen), fokussierte sich der Workshop auf den Ausbau und die Vertiefung von Kompetenzen im Bereich Policy Analysis und Interkulturelle Kommunikation.

Im ersten Teil des dreitägigen Workshops ging Oksana Huss auf inhaltlich-theoretische Impulse zur Formulierung zielgerichteter Forschungsfragen sowie die Struktur analytischer Publikationen ein. Dieser thematische Block wurde zudem durch einen praktisch-aktiven Teil mit Übungen zum Aufbau von Argumenten mit Katerina Bosko ergänzt. Aufgrund des starken Interesses wird die Arbeit zum Aufbau von Argumenten in weiteren Workshops noch tiefergehend behandelt werden.

Ein großer Teil des Workshops widmete sich dem Forschungsdesign. Im Bereich methodischer Vorgehensweisen äußerten Teilnehmende Lernbedarf, sodass ihren Wünschen entsprechend zukünftig noch dezidierter auf qualitative Ansätze eingegangen wird. Ebenfalls ist ein Seminar zu diskursanalytischen Methoden sowie leitfadengestützten Interviews geplant.

Die von Ljudmyla Melnyk angeleitete Einheit zur interkulturellen Kommunikation durch die Studie „Denkfabriken in Deutschland und der Ukraine: Unterschiede und Perspektiven für die Zusammenarbeit“ wurde ebenfalls gut angenommen. Basierend auf den Ergebnissen der Studie wurde der Workshop-Block durch visuelle Kommunikation von analytischen Publikationen sowie Kommunikation mit europäischen Partnern ergänzt. Nicht nur im Layout, sondern auch bei der E-Mail-Korrespondenz zeigten sich interkulturelle Unterschiede in der Kommunikationskultur. Aus diesem Grund entschied sich das Team, auch in dieser Hinsicht Schwerpunkte zu setzen und ein Seminar zum Corporate Design für Think Tanks aufzunehmen.

Der dreitägige Workshop bot eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer großen Anzahl verschiedener Themen aus dem wissenschaftlichen Bereich. Deutlich wurde ein Handlungsbedarf in der methodischen Arbeit und im weiteren Ausbau von interkulturellen kommunikativen Kompetenzen, welche die Expertise ukrainischer Think Tanks stärken und eine Zusammenarbeit von ukrainischen und deutschen Denkfabriken begünstigen können. Es wurde zudem auf den Mangel an objektiven Daten hingewiesen, der auf eine insuffiziente Datenerhebung seitens des ukrainischen Staates zurückzuführen ist. Als Beispiel dafür wurde der Zensus angeführt, der zuletzt 2001 erhoben wurde und erst wieder für das Jahr 2020 geplant ist.

Auf den abschließenden Feedback-Bögen wurde Gefallen an der Interdisziplinarität, der Qualität der Seminare sowie der Möglichkeit des Netzwerkausbaus, was insbesondere für Vertreter regionaler Denkfabriken von großer Bedeutung ist, geäußert. Abschließend können Teilnehmende Exposés einreichen und die erworbenen Kenntnisse in einer praktischen Arbeit umsetzen. Die Arbeit an analytischen Publikationen wird durch ein Peer Review-Verfahren begleitet. Im Rahmen des nächsten Workshops im Februar 2017 wird die Arbeit mit den TeilnehmerInnen fortgesetzt. Die ausgewählten Policy Papers werden in einer deutschsprachigen Online-Publikationsreihe erscheinen und im Rahmen einer Think Tank-Konferenz in Berlin vorgestellt.

Der Workshop fand im Rahmen des Projekts „Platform for Analytics and Intercultural Communication“ (PAIC) statt, welches das Institut für Europäische Politik (IEP, Berlin) in Zusammenarbeit mit der International Renaissance Foundation (IRF, Kiew) der Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation (DIF, Kiew) und der Denkfabriken-Initiative think twice UA (Kiew) mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in den Jahren 2017–2018 durchführt.


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