2. PAIC-Workshop in Kiew mit Vertretern ukrainischer Think Tanks: „Professional Scientific Standards and Policy Analysis“

Das Institut für Europäische Politik (IEP) hat vom 18. bis 20. Oktober 2017 den Workshop „Profes­sional Scien­tific Standards and Policy Analysis“ für Vertre­te­rInnen ukrai­ni­scher Think Tanks in Kiew durch­ge­führt.

Die 16 Teilneh­me­rInnen des Workshops arbeiten für Think Tanks, die in den Bereichen Soziales, sowie Innen- und Außen­po­litik tätig sind und sowohl aus der ukrai­ni­schen Haupt­stadt Kiew als auch aus anderen ukrai­ni­schen Regionen stammen. Unter Leitung von Ljudmyla Melnyk, wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Institut für Europäische Politik, Oksana Huss, Dokto­randin am Kultur­wis­sen­schaft­lichen Institut Essen und Mitgrün­derin der Inter­na­tio­nalen Initiative zur Korrup­ti­ons­for­schung (ICRnetwork), sowie Katerina Bosko, Redak­teurin der „Ukraine-Analysen“ und Wissen­schaft­lerin an der Forschungs­stelle Osteuropa (Bremen), fokus­sierte sich der Workshop auf den Ausbau und die Vertiefung von Kompe­tenzen im Bereich Policy Analysis und Inter­kul­tu­relle Kommu­ni­kation.

Im ersten Teil des dreitä­gigen Workshops ging Oksana Huss auf inhaltlich-theore­tische Impulse zur Formu­lierung zielge­rich­teter Forschungs­fragen sowie die Struktur analy­ti­scher Publi­ka­tionen ein. Dieser thema­tische Block wurde zudem durch einen praktisch-aktiven Teil mit Übungen zum Aufbau von Argumenten mit Katerina Bosko ergänzt. Aufgrund des starken Inter­esses wird die Arbeit zum Aufbau von Argumenten in weiteren Workshops noch tiefer­gehend behandelt werden.

Ein großer Teil des Workshops widmete sich dem Forschungs­design. Im Bereich metho­di­scher Vorge­hens­weisen äußerten Teilneh­mende Lernbedarf, sodass ihren Wünschen entspre­chend zukünftig noch dezidierter auf quali­tative Ansätze einge­gangen wird. Ebenfalls ist ein Seminar zu diskurs­ana­ly­ti­schen Methoden sowie leitfa­den­ge­stützten Inter­views geplant.

Die von Ljudmyla Melnyk angeleitete Einheit zur inter­kul­tu­rellen Kommu­ni­kation durch die Studie „Denkfa­briken in Deutschland und der Ukraine: Unter­schiede und Perspek­tiven für die Zusam­men­arbeit“ wurde ebenfalls gut angenommen. Basierend auf den Ergeb­nissen der Studie wurde der Workshop-Block durch visuelle Kommu­ni­kation von analy­ti­schen Publi­ka­tionen sowie Kommu­ni­kation mit europäi­schen Partnern ergänzt. Nicht nur im Layout, sondern auch bei der E‑Mail-Korre­spondenz zeigten sich inter­kul­tu­relle Unter­schiede in der Kommu­ni­ka­ti­ons­kultur. Aus diesem Grund entschied sich das Team, auch in dieser Hinsicht Schwer­punkte zu setzen und ein Seminar zum Corporate Design für Think Tanks aufzu­nehmen.

Der dreitägige Workshop bot eine vertiefte Ausein­an­der­setzung mit einer großen Anzahl verschie­dener Themen aus dem wissen­schaft­lichen Bereich. Deutlich wurde ein Handlungs­bedarf in der metho­di­schen Arbeit und im weiteren Ausbau von inter­kul­tu­rellen kommu­ni­ka­tiven Kompe­tenzen, welche die Expertise ukrai­ni­scher Think Tanks stärken und eine Zusam­men­arbeit von ukrai­ni­schen und deutschen Denkfa­briken begüns­tigen können. Es wurde zudem auf den Mangel an objek­tiven Daten hinge­wiesen, der auf eine insuf­fi­ziente Daten­er­hebung seitens des ukrai­ni­schen Staates zurück­zu­führen ist. Als Beispiel dafür wurde der Zensus angeführt, der zuletzt 2001 erhoben wurde und erst wieder für das Jahr 2020 geplant ist.

Auf den abschlie­ßenden Feedback-Bögen wurde Gefallen an der Inter­dis­zi­pli­na­rität, der Qualität der Seminare sowie der Möglichkeit des Netzwerk­ausbaus, was insbe­sondere für Vertreter regio­naler Denkfa­briken von großer Bedeutung ist, geäußert. Abschließend können Teilneh­mende Exposés einreichen und die erwor­benen Kennt­nisse in einer prakti­schen Arbeit umsetzen. Die Arbeit an analy­ti­schen Publi­ka­tionen wird durch ein Peer Review-Verfahren begleitet. Im Rahmen des nächsten Workshops im Februar 2017 wird die Arbeit mit den Teilneh­me­rInnen fortge­setzt. Die ausge­wählten Policy Papers werden in einer deutsch­spra­chigen Online-Publi­ka­ti­ons­reihe erscheinen und im Rahmen einer Think Tank-Konferenz in Berlin vorge­stellt.

Der Workshop fand im Rahmen des Projekts „Platform for Analytics and Inter­cul­tural Commu­ni­cation“ (PAIC) statt, welches das Institut für Europäische Politik (IEP, Berlin) in Zusam­men­arbeit mit der Inter­na­tional Renais­sance Foundation (IRF, Kiew) der Ilko Kucheriv Democratic Initia­tives Foundation (DIF, Kiew) und der Denkfa­briken-Initiative think twice UA (Kiew) mit Unter­stützung des Auswär­tigen Amtes in den Jahren 2017–2018 durch­führt.


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