Vertreter:innen Ukrainischer Think-Tanks besuchen Berlin: Welche Rolle spielen Denkfabriken hierzulande in der Politikberatung und ‑gestaltung?

Vom 10. Bis 15. Juni 2019 nahmen sechs ukrai­nische Expert:innen aus ukrai­ni­schen Think-Tanks, NROs und Forschungs­in­sti­tuten an der Studi­en­reise „Zwischen Wissen­schaft und Praxis: Wie beein­flussen Think-Tanks die Politik­ge­staltung in Deutschland?“ teil, um sich ein Bild von der Rolle wissen­schaftlich fundierter Politik­be­ratung in Deutschland zu machen. Darüber hinaus war es Ziel der Studi­en­reise, Möglich­keiten der Zusam­men­arbeit zwischen Deutschen und Ukrai­ni­schen Expert:innen auszu­loten und das Netzwerk rund um die „Platform for Analytics and Inter­cul­tural Commu­ni­cation“ (PAIC) zu erweitern.

Nachdem die Teilnehmer:innen von Ljudmyla Melnyk, Wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Institut für Europäische Politik (IEP, Berlin) und Projekt­ko­or­di­na­torin von PAIC, willkommen geheißen wurden und in das Programm einge­führt wurden, konnten sie sich bei einer kurzen Sight­seeing-Tour mit der Stadt Berlin vertraut machen. Am folgenden, arbeits­in­ten­siven Tag besuchten die sechs Ukrai­ni­schen Wissenschaftler:innen die Deutsche Gesell­schaft für Osteu­ro­pa­kunde e.V. (DGO), den Ostaus­schuss der Deutschen Wirtschaft, die Stiftung Wissen­schaft und Politik (SWP) und die Deutsche Gesell­schaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP). Im Fokus standen dabei vor allem die verschie­denen Modi der Zusam­men­arbeit mit und Beratung von politi­schen Entscheidungsträger:innen.

Am 12. Juni nahmen die Expert:innen schließlich an der im Rahmen des Projekts PAIC organi­sierten Konferenz „Ukraine after the presi­dential and parliament elections: New government – new oppor­tu­nities?“ teil, bei der vor allem das innen­po­li­tische Klima in der Ukraine, die außen­po­li­ti­schen Priori­täten der neuen Regierung und mögliche Wege einer Konflikt­lösung für den Donbass disku­tiert wurden. Zudem wurden die ersten Ergeb­nisse einer vom Projekt PAIC durch­ge­führten Studie zu Think-Tanks als zivil­ge­sell­schaft­liche Akteure vorge­stellt und neue Heraus­for­de­rungen für die ukrai­nische Zivil­ge­sell­schaft analy­siert.

Während der letzten beiden Tage besuchte die Studi­en­gruppe Einrich­tungen wie die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS), wo den Teilnehmer:innen die wichtige Stellung politi­scher Stiftungen in der Politik­be­ratung näher­ge­bracht wurde, sowie den Wissen­schaft­lichen Dienst des Deutschen Bundes­tages, das Zentrum Liberale Moderne (LibMod), den Grass­roots-Thinktank Polis180 und den European Council on Foreign Relations (ECFR). Durch den Besuch dieser zahlreichen Einrich­tungen hatten unsere Gäste die Möglichkeit, noch mehr über die Rolle Deutscher Wissen­schafts­ein­rich­tungen und Denkfa­briken in der Beratung politi­scher Entscheidungs:trägerinnen, das spezielle Format und die Arbeits­weise eines Grass­roots-Think­tanks sowie eines parla­ments­ei­genen wissen­schaft­lichen Beratungs­dienstes zu erfahren. Außerdem wurde ihnen die Wichtigkeit einer zielge­rich­teten Kommu­ni­kation wissen­schaft­licher Ergeb­nisse näher­ge­bracht.

Ausge­stattet mit vielen Eindrücken und neuen Erkennt­nissen, kehrten die Expert:innen am folgenden Tag zurück in die Ukraine.


Die Studi­en­reise fand im Rahmen des Projektes “Platform for Analytics and Inter­cul­tural Commu­ni­cation” (PAIC) statt, welches die Förderung der ukrai­ni­schen Think Tank-Szene und des Austau­sches zwischen deutschen und ukrai­ni­schen Forschungs­in­sti­tu­tionen vorsieht. Das Projekt wird vom Institut für Europäische Politik (IEP, Berlin) in Zusam­men­arbeit mit der Inter­na­tional Renais­sance Foundation (IRF, Kiew) der Ilko Kucheriv Democratic Initia­tives Foundation (DIF, Kiew) und der Denkfa­briken-Initiative think twice UA (Kiew) mit Unter­stützung des Auswär­tigen Amtes durch­ge­führt.