“Wichtigkeit einer staatsbürgerlichen Auffassung von Identität sowie gegenseitigen Respekts zwischen den ethnischen Gruppen“ – Zweite MIDEU Town Hall Debatte in Bălți

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Am Donnerstag, dem 28. September, fand in Bălți die zweite Town Hall-Debatte im Rahmen des MIDEU-Projekts zu nationaler Identität und Minderheitenintegration in Moldau statt.

An der Veranstaltung in der „Aleco Russo“ Staatlichen Universität Bălți nahmen neben Vertretern lokaler staatlicher Behörden, internationaler Organisationen (EU, OSCE, UNHCHR) und Hochschulen auch internationale und lokale Experten sowie Vertreter der ethnischen Gruppen in der Region und Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen teil. Thema der Debatte waren verschiedene Aspekte und Perspektiven eines stärkeren Zusammenhalts innerhalb der moldauischen Gesellschaft im Prozess der Identitätsfindung.

Während des ersten Panels wurde die Möglichkeit diskutiert, einen pragmatischen Ansatz für das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen zu entwickeln, der einerseits ein Zugehörigkeitsgefühl zur Republik Moldau schaffen, und gleichzeitig einen hohen Grad an Toleranz gegenüber Verschiedenheit und Pluralität gewährleisten kann. Die Sprecher betonten dabei unter anderem die Notwendigkeit, die national Strategie zur Stärkung der inter-ethnischen Beziehungen umzusetzen. Außerdem wurde die zentrale Rolle von Regierung und Medien bei der Gleichberechtigung und Nicht-Diskriminierung aller ethnischen Gruppen hervorgehoben. Des Weiteren wurde die Notwendigkeit von Integration anstatt Assimilation angesprochen, um Raum für kulturelle Unterschiede zu lassen und gleichzeitig allen Bürgern Moldaus gleichen Zugang und gleiche Chancen zu garantieren.

Im zweiten Teil der Debatte präsentierte Ewa Chylinski, Regionaldirektorin am European Centre for Minority Issues (ECMI) und Expertin für den Europarat, einen neuen Ansatz, welcher es ermöglicht, neue und verschiedenen Ebenen von Identität aufzunehmen, ohne das eigene kulturelle Erbe hinter sich lassen zu müssen. Dabei betonte sie die Idee einer „staatsbürgerlichen Identität“ (gegenüber ethnischer oder kultureller Identität), welche auf einem Zugehörigkeitsgefühl zu einem Staat durch gleiche bürgerliche Rechte beruht, unabhängig von den ethnischen Wurzeln einer Person. Als Beispiel nannte die Expertin Georgien und dessen Strategie für zivile Integration, welches sich an alle Bürger und nicht nur an Minderheiten richtet.

Andere Sprecher beschrieben Moldau als ein Land sich überschneidender Kulturen mit einer natürlichen Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit, was eine vorteilhafte Eigenschaft sei, die es zu nutzen gelte. Des Weiteren wurde der Abbau von Stereotypen über bestimmte ethnische Gruppen sowie die Entwicklung einer „nationalen Idee“ als wichtige Punkte im Prozess der Identitätsfindung genannt.

Das Publikum trug zur Debatte bei, indem es den Begriff „nationale Minderheiten“ als exklusiv und ausgrenzend problematisierte, und mehr gegenseitigen Respekt zwischen den ethnischen Gruppen forderte. Die Vorschläge und Anregungen der Teilnehmer zur Stärkung der Identität und verbesserten Minderheitenintegration werden in das Policy Paper einfließen, welches von den Projektpartnern IEP, IPIS und IPRE erarbeitet und zum Projektende vorgestellt wird.

Im Anschluss an die Veranstaltung nahmen die Panellisten an einer TV Debatte zum selben Thema teil, welches vom lokalen TV-Sender BTV Bălți ausgestrahlt wurde. Das Video finden sie hier (auf Russisch):

Das Projekt wird vom Institut für Europäische Politik (Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Institute for Strategic Initiatives IPIS (Chișinău) sowie dem Institute for European Policies and Reforms IPRE (Chișinău) organisiert und umgesetzt. Die Projektfinanzierung erfolgt durch das Auswärtige Amt.


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