“Wichtigkeit einer staatsbürgerlichen Auffassung von Identität sowie gegenseitigen Respekts zwischen den ethnischen Gruppen“ — Zweite MIDEU Town Hall Debatte in Bălți

Am Donnerstag, dem 28. September 2017, fand in Bălți die zweite Town Hall-Debatte im Rahmen des MIDEU-Projekts zu natio­naler Identität und Minder­hei­ten­in­te­gration in Moldau statt.

An der Veran­staltung in der „Aleco Russo“ Staat­lichen Univer­sität Bălți nahmen neben Vertretern lokaler staat­licher Behörden, inter­na­tio­naler Organi­sa­tionen (EU, OSCE, UNHCHR) und Hochschulen auch inter­na­tionale und lokale Experten sowie Vertreter der ethni­schen Gruppen in der Region und Mitglieder zivil­ge­sell­schaft­licher Organi­sa­tionen teil. Thema der Debatte waren verschiedene Aspekte und Perspek­tiven eines stärkeren Zusam­men­halts innerhalb der moldaui­schen Gesell­schaft im Prozess der Identi­täts­findung.

Während des ersten Panels wurde die Möglichkeit disku­tiert, einen pragma­ti­schen Ansatz für das Zusam­men­leben verschie­dener ethni­scher Gruppen zu entwi­ckeln, der einer­seits ein Zugehö­rig­keits­gefühl zur Republik Moldau schaffen, und gleich­zeitig einen hohen Grad an Toleranz gegenüber Verschie­denheit und Plura­lität gewähr­leisten kann. Die Sprecher betonten dabei unter anderem die Notwen­digkeit, die national Strategie zur Stärkung der inter-ethni­schen Bezie­hungen umzusetzen. Außerdem wurde die zentrale Rolle von Regierung und Medien bei der Gleich­be­rech­tigung und Nicht-Diskri­mi­nierung aller ethni­schen Gruppen hervor­ge­hoben. Des Weiteren wurde die Notwen­digkeit von Integration anstatt Assimi­lation angesprochen, um Raum für kultu­relle Unter­schiede zu lassen und gleich­zeitig allen Bürgern Moldaus gleichen Zugang und gleiche Chancen zu garan­tieren.

Im zweiten Teil der Debatte präsen­tierte Ewa Chylinski, Regio­nal­di­rek­torin am European Centre for Minority Issues (ECMI) und Expertin für den Europarat, einen neuen Ansatz, welcher es ermög­licht, neue und verschie­denen Ebenen von Identität aufzu­nehmen, ohne das eigene kultu­relle Erbe hinter sich lassen zu müssen. Dabei betonte sie die Idee einer „staats­bür­ger­lichen Identität“ (gegenüber ethni­scher oder kultu­reller Identität), welche auf einem Zugehö­rig­keits­gefühl zu einem Staat durch gleiche bürger­liche Rechte beruht, unabhängig von den ethni­schen Wurzeln einer Person. Als Beispiel nannte die Expertin Georgien und dessen Strategie für zivile Integration, welches sich an alle Bürger und nicht nur an Minder­heiten richtet.

Andere Exper­tInnen beschrieben Moldau als ein Land sich überschnei­dender Kulturen mit einer natür­lichen Zwei- bzw. Mehrspra­chigkeit, was eine vorteil­hafte Eigen­schaft sei, die es zu nutzen gelte. Des Weiteren wurde der Abbau von Stereo­typen über bestimmte ethnische Gruppen sowie die Entwicklung einer „natio­nalen Idee“ als wichtige Punkte im Prozess der Identi­täts­findung genannt.

Das Publikum trug zur Debatte bei, indem es den Begriff „nationale Minder­heiten“ als exklusiv und ausgrenzend proble­ma­ti­sierte, und mehr gegen­sei­tigen Respekt zwischen den ethni­schen Gruppen forderte. Die Vorschläge und Anregungen der Teilnehmer zur Stärkung der Identität und verbes­serten Minder­hei­ten­in­te­gration werden in das Policy Paper einfließen, welches von den Projekt­partnern IEP, IPIS und IPRE erarbeitet und zum Projek­tende vorge­stellt wird.

Im Anschluss an die Veran­staltung nahmen die Panel­listen an einer TV Debatte zum selben Thema teil, die vom lokalen TV-Sender BTV Bălți ausge­strahlt wurde. Das Video finden sie hier (auf Russisch):

Das Projekt wird vom Institut für Europäische Politik (Berlin) in Zusam­men­arbeit mit dem Institute for Strategic Initia­tives IPIS (Chișinău) sowie dem Institute for European Policies and Reforms IPRE (Chișinău) organi­siert und umgesetzt. Die Projekt­fi­nan­zierung erfolgt durch das Auswärtige Amt.


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