Europapolitischer Sommerempfang des IEP anlässlich des Wechsels in der Geschäftsführung

Nach 23 erfolg­reichen Jahren übergab Prof. Dr. Mathias Jopp die Leitung des Instituts für Europäische Politik (IEP) zum 1. Juli 2018 an Dr. Katrin Böttger und Dr. Funda Tekin. Die feier­liche Übergabe fand am 5. Juli 2018 in der Vertretung der Europäi­schen Kommission in Berlin statt.

Richard Kühnel, Leiter der Europäi­schen Kommission in Deutschland, eröffnete die Veran­staltung mit einem kurzen Grußwort. Er dankte Prof. Dr. Jopp für sein langjäh­riges Engagement und seine erfolg­reiche Arbeit am IEP. Als überzeugter Europäer habe er das politische Berlin europäi­scher gemacht und mit seiner Initiative der Mittags­ge­spräche einen erheb­lichen Beitrag zum Dialog mit den Bürge­rInnen geleistet. Nun sei es an der Zeit für neuen politi­schen Wind mit der neuen Doppelspitze.

Fishbowl-Diskussion

Im Anschluss eröffnete der Präsident des IEP, Dr. Werner Hoyer, die Fishbowl-Diskussion mit dem Staats­mi­nister für Europa im Auswär­tigen Amt, Michael Roth, MdB, Dr. Böttger und Dr. Tekin. Die Moderation übernahm Annette Riedel, Korre­spon­dentin des Deutsch­land­funks in Berlin. In seiner Eröff­nungsrede hob Hoyer die Notwen­digkeit der engeren Koope­ration innerhalb Europas hervor. Besonders wichtig sei dabei die Zivil­ge­sell­schaft und vor allem die junge Generation, die in den politi­schen Diskurs mit einbe­zogen werden müsse.

Thema der Fishbowl-Diskussion war „Zukunft Europas — Zukunft des IEP“. Staats­mi­nister Roth betonte zu Beginn der Debatte, dass „Europa zu oft als zu selbst­ver­ständlich wahrge­nommen wird“. Deshalb bedarf es überzeugter Europäer, wie Matthias Jopp. Das emotionale Band zwischen Politik und der Zivil­ge­sell­schaft müsse wieder gefestigt werden, wobei das verlorene Vertrauen der Bürge­rInnen nur durch weitge­hende Reformen zurück­ge­wonnen werden könne.

Die drei Panelisten waren sich einig, dass Deutschland noch viel stärkere Maßnahmen ergreifen müsse, um die vorherr­schenden Migra­tions- und Flucht­ur­sachen an der Wurzel zu packen. Gerade Deutschland habe in der Vergan­genheit vom Dublin-Abkommen profi­tiert und müsse jetzt einen wesent­lichen Beitrag leisten. Auf die Frage nach zuver­läs­sigen Partnern, die gemeinsam mit Deutschland für ein offenes Europa arbeiten wollen, müsse man die Mittel-/Osteu­ro­päi­schen Staaten noch stärker einbe­ziehen, denn gerade bei diesen Staaten fehle es häufig am Grund­konsens für ein starkes vereintes Europa. Auch der Austritt des Verei­nigten König­reiches wurde von den Panelisten disku­tiert. So sah Staats­mi­nister Roth den Brexit zwar als Verlust für beide Seiten, aber auch als vermeintlich heilsamen Schock.

Am Ende der Fishbowl-Diskussion fragte der Staats­mi­nister nach Möglich­keiten und Chancen dem zuneh­menden Europa­skep­ti­zismus besser entge­gen­zu­wirken, sowie die Zivil­be­völ­kerung für ein zukunfts­fä­higes Europa wieder zu begeistern. Tekin hob hervor, dass das IEP das Heraus­ar­beiten von Visionen auf ständigen und fundierten Refle­xionen und Analysen stützen werde. Hierbei nahm sie auch Bezug auf das IEP-Projekt „TruLies“, das Aussagen populis­ti­scher Parteien einem Fakten­check unter­ziehe und „Alter­native Europa!“, das Visionen für ein Europa in einem Manifest erarbeitet habe. Beide Direk­to­rinnen sahen darüber hinaus fundierte und fakten­ba­sierte Social Media-Arbeit als beglei­tendes und notwen­diges Instrument an. Dies werde das IEP wie gewohnt durch Twitter, Facebook und Online-Auftritte verstärkt fortführen.

Tekin stellte heraus, dass es eine besondere Heraus­for­derung sei, die gesamte Zivil­be­völ­kerung in den politi­schen Diskurs mitein­zu­be­ziehen. Hier müsse gerade ein Forschungs­in­stitut wie das IEP einen wichtigen Beitrag leisten. Dr. Böttger resümierte, dass „Europa die Lösung und nicht das Problem ist“.

Festreden anlässlich der Verab­schiedung von Matthias Jopp

Die Festrede von Präsident Hoyer stand ganz im Zeichen der europäi­schen Integration. Über die Grund­pfeiler der Integration, vor allem Frieden, Freiheit und Wohlstand, seien wir uns oft nicht mehr im Klaren. Ernst­hafte sicher­heits­po­li­tische Probleme würden es jedoch heutzutage noch viel notwen­diger machen, an diesen Grund­pfeilern festzu­halten. Das IEP werde auch hier in Zukunft seinen Beitrag leisten und sich für die Vertiefung der europäi­schen Integration einsetzen.

Herr Prof. Dr. Wolfgang Wessels, Vorstands­vor­sit­zender des IEP, beschrieb Jopp in seiner Abschlussrede als „Entre­preneur, Manager, Architekt, Netzwerker, akade­mi­scher Lehrer, wissbe­gie­rigen und neugie­rigen Menschen sowie aktiver und engagierter Europäer“. Er habe stets dafür gesorgt, dass es einen regen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft gibt. Wessels wünsche ihm für seine neuen Aufgaben als Beauf­tragter für inter­na­tionale Programme am IEP alles Gute und freut sich auf die Zusam­men­arbeit mit der neuen Doppelspitze.

In seinem Abschluss­statement verwies Jopp auf die Pflicht der Politik, der Bevöl­kerung zu erklären, welche Ziele sie mit ihren politi­schen Entschei­dungen verfolgt. Nur so könne auch die erfolg­reiche Arbeit wissen­schaft­licher Institute gewähr­leistet werden. In der heutigen angespannten politi­schen Lage, müsse die EU-27 noch stärker zusam­men­ar­beiten. Es bestehe die Notwen­digkeit des Ausbaus der Gemein­samen Sicher­heits- und Vertei­di­gungs­po­litik (GSVP), sowie eines stärkeren europäi­schen Außen­grenz­schutzes. Er zog zum Ende seiner Rede eine positive Bilanz für die vergan­genen 23 Jahre und freue sich auf die neue Ära der IEP-Doppelspitze.

Der Video­stream zu unserem Europa­po­li­ti­schen Sommer­empfang steht Ihnen bei Periscope zur Verfügung.


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