EUritage: 30 Jahre deutsche Wiedervereinigung — eine europäische Erfolgsgeschichte?

Euritage Event „A European success story?“ am 27.10.2021 in Berlin. Foto: Inga Kjer /IEP

Wie werden die demokra­ti­schen Umbrüche von 1989 in verschie­denen Ländern der EU inter­pre­tiert? Expert:innen und Zeitzeug:innen haben über die Rolle des gemein­samen Erbes von 1989 für den europäi­schen Integra­ti­ons­prozess diskutiert.

Der Fall der Berliner Mauer vor über drei Jahrzehnten hat eine Reihe von Trans­for­ma­ti­ons­pro­zessen in Deutschland und Europa in Gang gesetzt, die zu der deutschen Wieder­ver­ei­nigung und der EU-Erwei­terung 2004 führten. “Das Wendejahr 1989 ruft ambiva­lente Reaktionen in den heutigen Gesell­schaften Europas hervor” betonte Katrin Böttger, eine der beiden Direk­to­rinnen des IEP während der Begrüßung.

Osteu­ro­päische Länder wie Ungarn und die Tsche­chische Republik haben eine eigene Perspektive auf die deutsche Wieder­ver­ei­nigung. Der Fall der Berliner Mauer beein­flusste die Situation am deutschen Botschafts­ge­lände in Prag oder die Solidarnosc-Demons­tra­tionen. Auch wenn die demokra­ti­schen Umbrüche in allen mittel- und osteu­ro­päi­schen Staaten zu einer europäi­schen Erfolgs­ge­schichte gebündelt werden können, war jede einzelne Trans­for­mation in den Ländern von indivi­du­ellen Voraus­set­zungen und Beson­der­heiten geprägt. Diese finden in der öffent­lichen Debatte nicht ausrei­chend Beachtung und sollten mit Blick auf die aktuellen populis­ti­schen und autori­tären Tendenzen mehr Gehör finden.

Auf einer persön­lichen Ebene prägen bei Zeitzeug:innen vor allem Schlüs­sel­er­eig­nisse, wie die Presse­kon­ferenz mit Günter Schabowski am 9. November 1989 oder emotionale Begeg­nungen mit Geflüch­teten aus der DDR, die Erinne­rungen. Jüngere Genera­tionen, die den Fall der Mauer nicht bewusst miter­lebten, sind viel mehr von einer europäi­schen Identität geprägt, sollten sich aber auch der Bedeutung von 1989 bewusst sein. Denn ohne das wieder­ver­ei­nigte Europa gäbe es diese EU-Identität nicht. Um eine aktive und dieverse Erinne­rungs­kultur aufrecht zu erhalten, sind Orte des Austauschs und Dialogs zwischen verschie­denen Genera­tionen unerlässlich.

Die Panelist:innen, die unter der Moderation von unserer Kollegin Simone Klee über Blick­winkel verschie­dener Länder und Genera­tionen auf das Wendejahr sprachen, haben sich im Rahmen des „EUritage“ Projekts getroffen. Es war die erste hybride Veran­staltung des IEP nach Beginn der COVID-19 Pandemie, die Teilnehmer:innen in Berlin und online mitein­ander verband.


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