IEP-Mittagsgespräch mit Dr. Hans-Gert Pöttering: „Zu unserem Glück vereint – Rückblick und Ausblick auf die europäische Integration“

Dr. Hans-Gert Pöttering und Prof. Dr. Hartmut Marhold

Das IEP-Mittags­ge­spräch zum Thema „Zu unserem Glück vereint — Rückblick und Ausblick auf die europäische Integration“ mit Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäi­schen Parla­ments a.D. und Vorsit­zender der Konrad-Adenauer-Stiftung, fand anlässlich der Publi­kation seines Buches „Wir sind zum Glück vereint. Mein europäi­scher Weg“ am 4. Dezember 2014 in der Vertretung der Europäi­schen Kommission in Berlin statt. Moderiert wurde die Veran­staltung von Prof. Dr. Hartmut Marhold, stellv. Vorsit­zender des Vorstands des IEP und Direktor für Forschung und Entwicklung des Centre inter­na­tional de formation européenne (cife).

Richard Kühnel, Vertreter der Europäi­schen Kommission in Deutschland und Frank Piplat, Leiter des Infor­ma­ti­ons­büros des Europäi­schen Parla­ments in Deutschland, führten gemeinsam in die Veran­staltung ein. Dabei beschrieben sie nicht nur die biogra­phi­schen Stationen des langjährig engagierten Europa­po­li­tikers Pöttering, sondern hoben besonders sein vermit­telndes Geschick als Vorsit­zender der Europäi­schen Volks­partei von 1999 bis 2007 und als 23. Präsident des Europäi­schen Parla­ments von 2007 bis 2009  hervor. In ihrem Gespräch ließen Hans-Gert Pöttering und Hartmut Marhold anschließend verschiedene Etappen der 35 Jahre währenden Karriere als EU-Parla­men­tarier Revue passieren. Immer wieder gelang es hierbei, einen Bogen von sehr persön­lichen Anekdoten und Erleb­nissen, die im Buch beschrieben werden, zu aktuellen Themen europäi­scher Politik zu spannen. Das starke Engagement Pötte­rings für den europäi­schen Einheits­ge­danken begründet sich, so  Marhold, auch biogra­phisch. Die „existen­zielle Verwur­zelung“ in Europa sei durch persön­liche Erfah­rungen in den Nachkriegs­jahren und während der deutschen Teilung entstanden. Besonders wichtig für seine Laufbahn als Europa­po­li­tiker seien daneben, so Pöttering, „feste Grund­sätze, Freunde und Glück“ gewesen. Im Gespräch hob er die Bedeutung der Freiheit und der Rechts­ordnung als Kern der Europäi­schen Union hervor, wofür ein ausge­wo­genes Zusam­men­spiel von Subsi­dia­rität und Solida­rität zu beachten sei. Ausdrücklich begrüßte Hans-Gert Pöttering die Stärkung des Europäi­schen Parla­ments, auch um eine wahrnehmbare Kluft zwischen den Bürgern­Innen und der EU zu überwinden. Hierzu rief er alle Anwesenden zu einem verstärktem europäi­schen Engagement auf.

In der anschlie­ßenden lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurden verschiedene Aspekte europäi­scher Politik angesprochen. Pöttering betonte, dass er sich lange für eine Aufnahme Estlands, Lettlands und Litauens in die EU einge­setzt habe. Daher sei es wichtig, den Balten zu zeigen, dass sie mit Sorgen terri­to­rialer Integrität nicht allein gelassen werden. Auf die Frage, ob die Präsi­dent­schaft von Donald Tusk das Verhältnis zu Russland erschweren könne, äußerte Pöttering sich zuver­sichtlich. Er hob er hervor, dass dabei das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völker als Grundsatz über allem stehen müsse. Jedoch sei Russland ein notwen­diger Partner, mit dem trotz der Sanktionen ein gutes Verhältnis gepflegt werden solle.

Von: Richard Steinberg


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