50 Jahre Römische Verträge: eine rückblickende Bewertung des Integrationsprozesses und Ausblick auf die Zukunft Europas

Am 28./29. Juni fand auf Einladung des Instituts für Europäische Politik (IEP) in Zusam­men­arbeit mit dem Arbeits­kreis Europäische Integration (AEI) und mit freund­licher Unter­stützung des Auswär­tigen Amtes im Jean-Monnet-Haus eine wissen­schaft­liche Konferenz zum Thema 50 Jahre Römische Verträge statt.

Ziel der Tagung war es, vor dem Hinter­grund des Junigipfels, 50 Jahre europäische Integra­ti­ons­ge­schichte rückbli­ckend zu beleuchten und Perspek­tiven für weitere Integra­ti­ons­schritte zu erörtern. Auf der inter­dis­zi­plinär ausge­rich­teten Veran­stal­tungen sprachen Vertreter aus Geschichts‑, Politik‑, Wirtschafts- und Rechts­wis­sen­schaften sowie Abgeordnete des Europäi­schen Parla­mentes und Vertreter europäi­scher Forschungs­in­sti­tu­tionen aus dem Blick­winkel ihrer jewei­ligen Disziplin.

Die Konferenz führte, unter­gliedert in vier thema­tische Sektionen, in die unter­schied­lichsten Dimen­sionen der europäi­schen Integra­ti­ons­ge­schichte ein. Zunächst wurden aus geschichts­wis­sen­schaft­licher Perspektive die „Energie­quellen“ des europäi­schen Integra­ti­ons­pro­zesses heraus­ge­ar­beitet, um diese anschließend auf ihre gegen­wärtige und mögliche zukünftige Trieb­kraft hin zu hinter­fragen. Es wurde einer­seits betont, dass die gemein­samen Kriegs­er­fah­rungen des 20. Jahrhun­derts an Einigungs­wirkung verloren hätten. Gleich­zeitig wurde jedoch hervor­ge­hoben, dass die Überwindung von Funkti­ons­de­fi­ziten des Natio­nal­staates weiterhin eine treibende Kraft im Integra­ti­ons­prozess darstelle, sowie dass zukünftig Fragen der Identität und der Zielsetzung der Union eine größere Rolle spielen würden. Im zweiten Teil wurden die konkreten Etappen der wirtschaft­lichen, primär­recht­lichen sowie politi­schen Integration resümiert und unter dem Blick­winkel ihrer Integra­ti­ons­för­derung bewertet. Argumente der Wohlstands­för­derung- und ‑sicherung, Quanten­sprünge in der Entwicklung des europäi­schen Rechts, die pragma­tische Heran­ge­hens­weise in der Erwei­te­rungs­po­litik fanden ebenso Erwähnung, wie die Bedeutung inter­na­tio­naler Krisen und Umbrüche.

Am zweiten Konfe­renztag standen zunächst die sehr unter­schied­lichen Wahrneh­mungen, Erfah­rungen und Erwar­tungen ausge­wählter Mitglied­staaten in Bezug auf die vorran­schrei­tende Verge­mein­schaftung im Vorder­grund. Dabei wurden Tendenzen einer zunehmend pragma­ti­schen und zurück­hal­tenden Sicht­weise auf die Vorteile supra­na­tio­naler gegenüber natio­naler Steue­rungs­fä­higkeit hervor­ge­hoben. Weiterhin ging es um das Spannungs­ver­hältnis zwischen der EU als handlungs­fä­higem Akteur auf der einen und der Angst vor einem europäi­schen Super­staat auf der anderen Seite.

Thema­ti­scher Schluss­punkt bildete die Diskussion über mögliche Strategien der Vertiefung und weitere Schritte im Konsti­tu­tio­na­li­sie­rungs­prozess. Die Teilnehmer waren sich einig, dass mit dem Reform­vertrag die Zeit des Still­standes ein Ende habe, dass jedoch bis zum Abschluss der Regie­rungs­kon­ferenz noch einige kritische Hürden genommen werden müssten.

 

Programm:

Donnerstag, 28. Juni 2007

Begrüßung und Eröffnung

Prof. Dr. Peter-Christian MÜLLER-GRAFF
Direktor des Instituts für deutsches und europäi­sches Gesell­schafts- und Wirtschafts­recht, Univer­sität Heidelberg, Vorstands­vor­sit­zender des Arbeits­kreises Europäische Integration (AEI)

Prof. Dr. Mathias JOPP
Direktor, Insitut für Europäische Politik (IEP)

Die histo­rische Zukunft Europas

Vorsitz

Prof. Dr. Siegfried MAGIERA
Lehrstuhl für öffent­liches Recht, insbe­sondere Völker- und Europarecht/ Jean Monnet-Lehrstuhl für Europa­recht

Einfüh­rungen

Prof. Dr. Jürgen KOCKA
Lehrstuhl für Geschichte der indus­trielle Welt, Freie Univer­sität Berlin

Prof. Wilfried LOTH
Lehrstuhl für Neuere und Neuste Geschichte, Univer­sität Duisburg-Essen

Prof. Dr. Wolfgang SCHMALE
Lehrstuhl für Neuere und Neuste Geschichte, Univer­sität Wien

Diskussion

Epochen der europäi­schen Integration von den Anfängen bis in die Zukunft

Vorsitz

Prof. Dr. Rudolf HRBEK
Lehrstuhl für Innen- und EU-Politik, Univer­sität Tübingen, Präsident des AEI

Einfüh­rungen

Wirtschaft­liche Entwick­lungs­phasen

Prof. Dr. Wim KÖSTERS
Lehrstuhl für theore­tische Volks­wirt­schafts­lehre, Ruhr-Univer­sität Bochum

Primär­recht­liche Entwick­lungs­phasen

Prof. Dr. Peter-Christian MÜLLER-GRAFF
Univer­sität Heidelberg

Etappen des Erwei­te­rungs­pro­zesses

Dr. Barbara LIPPERT
Stellv. Direk­torin, Institut für Europäische Politik , Berlin

Entwick­lungs­ein­flüsse der Weltpo­litik

Prof. Dr. Werner LINK
Univer­sität zu Köln

Diskussion

Freitag, 29. Juni 2007

Erfah­rungen und Wahrneh­mungen der Integra­ti­ons­ent­wicklung in unter­schied­lichen Mitglieds­staaten

Vorsitz

Dr. Hartmut MARHOLD
General­di­rektor, Centre Inter­na­tional de Formation Européenne (CIFE), Nizza

Einfüh­rungen

Prof. Dr. Gianni BONVICINI
Direktor, Istituto Affari Inter­na­zionali, Rom

Prof. Dr. William E. PATERSON
Direktor, Institute for German Studies, Univer­sität Birmingham

Dr. Alfred PIJPERS
Senior Research Fellow, Institute of Inter­na­tional Relations “Clingendael”, Den Haag

Dr. Vladimir HANDL
Institut für Inter­na­tionale Bezie­hungen, Prag

Dr. Sylvie GOULARD
Präsi­dentin, Mouvement Européen France, Paris

Diskussion

Nach dem europäi­schen Juni-Gipfel: Fortsetzung oder Neuanfang der konsti­tu­tio­nellen Reform­pro­zesses?

Vorsitz

Prof. Dr. Mathias JOPP
Direktor, Institut für Europäische Politik, Berlin

Einfüh­rungen

Wege zur Rettung des Verfas­sungs­pro­zesses

Prof. Dr. Ingolf PERNICE
Lehrstuhl für öffent­liches Recht, Völker- und Europa­recht, Humboldt-Univer­sität zu Berlin

Stufen der konsti­tu­tio­nellen Evolution und Wege aus der Verfas­sungs­falle

Dr. Andreas MAURER
Leiter der Forschungs­gruppe EU-Integration, Stiftung Wissen­schaft und Politik (Deutsches Institut für Inter­na­tionale Politik und Sicherheit), Berlin

Neugründung, Kerneuropa und konzen­trische Kreise

Prof. Dr. Klaus HÄNSCH MdEP
Ehem. Präsident des Europäi­schen Parla­ments, Brüssel

Chancen und Risiken des Verfas­sungs­pro­zesses

Dr. Andrew DUFF MdEP
Mitglied des konsti­tu­tio­nellen Ausschusses, Europäi­sches Parlament; Brüssel

Diskussion

Ein ausführ­licher Tagungs­be­richt wird in der Ausgabe 4/2007 der Zeitschrift integration veröf­fent­licht werden.

Von: Eike Zaumseil, Dominic Maugeais