„#EngagEUkraine. Engagement der Ukrainer in Polen und Deutschland“ – Präsentation der Studie in Warschau und Berlin

Die neu veröf­fent­lichte Studie „#EngagEU­kraine. Engagement der Ukrainer in Polen und Deutschland“ wurde am 24. Mai zuerst in Warschau der Öffent­lichkeit vorge­stellt, bevor zwei Tage später eine Präsen­tation in Berlin statt fand. Sie ist die Abschluss­pu­bli­kation des von der Deutsch-Polni­schen Wissen­schafts­stiftung geför­derten Forschungs­pro­jekts „Ukrainer in Polen und Deutschland – Zivil­ge­sell­schaft­liches und politi­sches Engagement, Erwar­tungen, Handlungs­mög­lich­keiten“, dass das IEP in Berlin und das Instituts für Öffent­liche Angele­gen­heiten (ISP) in Warschau gemeinsam durch­ge­führt haben.

Die Warschauer Veran­staltung in der Galerie „Apteka Sztuki“ wurde von einem großen Kreis Inter­es­sierter besucht, die moderiert von Justyna Segeš Frelak (ISP) lebhaft die Ergeb­nisse der Studie und die Rolle des ukrai­ni­schen Engage­ments in Polen diskutierten.Die Veran­staltung wurde mit einer Präsen­tation der zentralen Erkennt­nisse einge­leitet. Magdalena Patalong und Richard Steinberg (beide IEP) stellten die Ergeb­nisse für Deutschland vor, wo die politi­schen Proteste im Zuge des Euromajdan zu einer Mobili­sierung und Politi­sierung der dort lebenden Ukrainer geführt haben. Der Kreis der sich für die Ukraine engagie­renden Menschen hat sich seit Ende 2013 erheblich erweitert. Einen ähnlichen Befund hoben Andriy Korni­ychuk und Łukasz Wenerski (beide ISP) für Polen hervor, die anschließend in verglei­chender Perspektive die Forschungs­er­geb­nisse zum Engagement der dortigen ukrai­ni­schen Migranten und ukrai­ni­schen Minderheit disku­tierten. Hierbei rückten die Unter­schiede zwischen den beiden Unter­su­chungs­ländern ins Zentrum. In dieser Hinsicht ist besonders die die Ukraine unter­stüt­zende öffent­liche Meinung in Polen hervor­zu­heben, während die Ukrainer in Deutschland sich mit einer deutlich skepti­scheren Haltung der Bevöl­kerung konfron­tiert sehen. Abschließend wurden die Empfeh­lungen für die polnische Regierung präsen­tiert, wie sie das Engagement der Ukrainer weiter fördern könnte. Neben einer Reihe konkreter Vorschläge wurde eine konse­quentere Politik zur besseren Integration der Ukrainer in die polnische Gesell­schaft angemahnt.

Den zweiten Teil der Veran­staltung bildete ein Round Table bei dem Lyudmyla Melnyk (IEP) sowie Miroslava Keryk (Fundacja Nasz Wybór), Lyudmyla Kozlovska (Fundacja Otwarty Dialog) und Piotr Tyma (Związek Ukraińców w Polsce) die soeben präsen­tierten Ergeb­nisse aus Perspektive der Engagierten disku­tierten. Es wurde deutlich, dass zwischen den engagierten Ukrainern in Polen auch in der Selbst­wahr­nehmung erheb­liche Unter­schiede bestehen, je nachdem, ob sie Zughörige zur ukrai­ni­schen Minderheit, Arbeits­mi­granten oder in Polen studie­rende Ukrainer sind. Aufgrund des Fehlens einer ukrai­ni­schen Minderheit gibt es diese Unter­schiede in Deutschland so nicht. Die Disku­tanten hinter­fragten weiter, ob es um die Wahrnehmung der Ukrainer in Polen so viel besser bestellt sei, wie es der Vergleich zur Situation in Deutschland erscheinen lasse. Auch in Polen, seien die Ukrainer und selbst die ukrai­nische Minderheit nur als „Russen“ wahrge­nommen worden und Vorur­teile bestünden bis heute. Es zeich­neten sich jedoch erheblich Fortschritte ab.

Präsen­tation der Studie in Berlin: Unter­schiede und Gemein­sam­keiten vertieft

Bei der Berliner Abschluss­ver­an­staltung des Forschungs­pro­jekts am 26. Mai 2016 präsen­tierten Dr. Agnieszka Łada (ISP), Julian Plottka und Ljudmyla Melnyk (beide IEP) die polni­schen bezie­hungs­weise deutschen Ergeb­nisse der Studie im Institut für Europäische Politik in Berlin. Moderiert wurden die Präsen­tation sowie die folgende Diskussion von Dr. Katrin Böttger (IEP). An der Veran­stal­tungen nahm nicht nur eine inter­es­sierte Öffent­lichkeit teil, sondern auch Vertreter der Medien, der ukrai­ni­schen Botschaft und der Deutsch-Polni­schen Wissen­schafts­stiftung.

In den einlei­tenden Vorträgen wurden die Gemein­sam­keiten aber auch Unter­schiede zwischen beiden Ländern angesprochen. Als besonders augen­scheinlich beschrieben die Vortra­genden die unter­schied­liche Wahrnehmung sowie die Organi­sation der ukrai­ni­schen Diaspora. Obwohl in beiden Ländern zwei Gruppen innerhalb der Diaspora zu beobachten sind, unter­scheiden sich diese doch vonein­ander. Während in Polen die ukrai­nische Minderheit fest etabliert ist und ihre Struk­turen auch während der Proteste des Euromajdan eine Rolle gespielt haben, war die „alte ukrai­nische Diaspora“ in Deutschland vergleichs­weise wenig sichtbar. Diesen Unter­schied erklärte Agnieszka Łada mit histo­ri­schen Argumenten, die die Verbun­denheit zwischen der Ukraine und Polen deutlich machen. Neben diesen etablierten Gruppen haben sich in beiden Ländern neue Gruppen von Engagierten gebildet, die sich vor allem aus Arbeits­mi­granten und Studie­renden zusam­men­setzen. Das mit dem Euromajdan zuneh­mende Engagement organi­sierte sich dabei zentral über die neuen sozialen Medien, die zu einem wichtigen Kommu­ni­ka­ti­ons­medium unter der Engagierten wurden. Daneben stellten Kirchen­ge­meinden in beiden Ländern Bezugs­punkte dar, die die Vernetzung der Ukrainer förderten, während Univer­si­täten diese Rolle nur in Polen übernahmen.

In der lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurden verschiedene Empfeh­lungen für deutsche und ukrai­nische Stellen, aber auch für die ukrai­nische Diaspora in Deutschland disku­tiert. Dabei wurden die Ergeb­nisse der Studie mit aktuellen Prozessen in der zivil­ge­sell­schaftlich engagierten Diaspora verglichen und die Frage gestellt, wie diese ihre Arbeit optimieren kann. Auch wurde disku­tiert ob die neu entstan­denen zivil­ge­sell­schaft­lichen Gruppen langfristig Bestand haben werden. Sollte der Prozess der Profes­sio­na­li­sierung und Insti­tu­tio­na­li­sierung weiter voran­ge­trieben werden, steige die Wahrschein­lichkeit, dass sich nachhaltige Struk­turen etablieren können, so Julian Plottka. Durch die Inter­na­li­sierung europäi­scher Werte in den Arbeits- und Lebens­alltag kann die Diaspora in Zukunft auch zu einer Diffusion demokra­ti­scher Werte, wie Trans­parenz, in der Ukraine beitragen. Ein stärkeres Auftreten der Diaspora nach außen könnte dabei nicht nur den Prozess der langfris­tigen Etablierung stärken, sondern auch zu einer stärkeren Wahrnehmung der Ukraine und ukrai­ni­scher Belange in Deutschland führen. In diesem Zusam­menhang wurde auch die Bedeutung von Studien wie dieser für eine Erwei­terung der Perspektive und als Basis für eine öffent­liche Debatte hervor­ge­hoben.

Die Studie im Volltext finden Sie nun als PDF-Datei auf unserer Webseite:

#EngagEU­kraine. Engagement der Ukrainer in Polen und Deutschland

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