Dritter PAIC-Workshop mit VertreterInnen ukrainischer Think Tanks: „Professional Scientific Standards and Policy Analysis“

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Der Workshop „Professional Scientific Standards and Policy Analysis“, der im Rahmen des Projekts „Platform for Analytics and Intercultural Communication“ (PAIC) zwischen dem 12. und dem 14. Februar 2018 in Kiew organisiert wurde, brachte 12 VertreterInnen ukrainischer Think Tanks und NachwuchswissenschaftlerInnen aus Kiew und den Regionen zusammen, um an Forschungsdesigns und Präsentationstechniken zu arbeiten und sich über Forschungsethik und nützliche Software Tools zu informieren.

Der nunmehr dritte Workshop der Serie befasste sich mit analytischen Publikationen, an denen die TeilnehmerInnen im Rahmen des Projektes arbeiteten und stellte zudem folgende vier Kernthemen in den Vordergrund: Der erste Teil behandelte akademisches Schreiben im Allgemeinen und das Verfassen von Forschungsvorhaben im Spezifischen. Ziel des zweiten Teils war das Erarbeiten von Präsentationskompetenzen und Argumentationstechniken, während die TeilnehmerInnen im dritten Block in verschiedene Software zur Literaturverwaltung eingeführt wurden. Der vierte Teil behandelte qualitative Forschungsdesigns und qualitative Methoden.

Nach einführenden Worten der Projektleiterin Ljudmyla Melnyk (IEP Berlin) und der Referentin Oksana Huss vom Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Essen (KWI), begann die erste Workshopeinheit mit einer Diskussion über bewährte Methoden, häufige Fehler und die Strukturierung von Forschungsvorhaben. Huss behandelte in den folgenden Einheiten die Zielsetzungen und Struktur überzeugender Forschungsvorhaben tiefgehender und führte praktische Übungen zur Erarbeitung von Anträgen durch.

Im zweiten thematischen Block beleuchtete Oksana Huss die Grundlagen und Struktur überzeugender Präsentationen von analytischen Publikationen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung stringenter Argumentationslinien in der Präsentation, die später die kritische Bewertung eigener Publikationen und konstruktives Feedback in Bezug auf Inhalt und Struktur unterstützten. Auch dieser Block schloss mit einer umfassenden praktischen Übung, die den TeilnehmerInnen ermöglichte, ihre eigenen Artikel, an denen sie im Rahmen des Projektes arbeiten, zu präsentieren und ein ausführliches Feedback zur Qualität der Forschung in einer Gruppendiskussion zu erhalten.

Sebastian Hoppe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig, präsentierte im dritten Teil die Vor- und Nachteile verschiedener Software zur Literaturverwaltung. Dabei ging Hoppe auf die jeweiligen Funktionen der Programme Citavi und Zotero ein, die den spezifischen Anforderungen der Teilnehmenden entsprachen. Mit einer praktischen Übung wurden die Think Tank-RepräsentantInnen mit der aktiven Arbeit mit der Literaturverwaltungssoftware bekannt gemacht und die Einheit beendet. Dieser thematische Block stoß auf eine große positive Resonanz, da die dargestellten Programme an den meisten ukrainischen Universitäten nicht benutzt werden und die Arbeit an Literaturquellen meist manuell erfolgt.

Da die Teilnehmenden des Oktober-Workshops starkes Interesse an qualitativen Forschungsmethoden gezeigt hatten, behandelte Dr. Anne Wetzel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for European Social Research (MZES) an der Universität Mannheim, qualitative Forschungsdesigns. In ihrer Einheit stellte sie verschiedene qualitative Ansätze vor sowie Designs qualitativer Forschungsprojekte, die Fallauswahl und wie große Datenmengen verarbeitet werden können. Eine Erweiterung des qualitativen Anteils der Workshops ist für nachfolgende Veranstaltungen eingeplant.

Die positive Langzeitwirkung hat sich bereits bemerkbar gemacht. Einzelne Inhalte und Themenfelder wurden von den Teilnehmenden der Workshops weitergetragen: So berichteten einige TeilnehmerInnen, die an einem Think Tank und gleichzeitig einer Universität arbeiten, dass sie bereits Workshops für ihre KollegInnen und StudentInnen zum Thema Policy Analysis durchgeführt haben. Andere haben ein Corporate Design für ihre E-Mail-Kommunikation entworfen, das im vorherigen Workshop im Oktober behandelt wurde, und in ihren Organisationen umgesetzt.

Die Workshopmaterialien zum Policy Analysis wurden zudem als Lehrmaterial für eine Studiengruppe bei der Anti-Corruption Research & Education Centre (ACREC) mit dem Hinweis auf das Projekt PAIC verwendet. Auch staatliche Denkfabriken zeigten sich interessiert an einer Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes und werden in Zukunft als zusätzliche Zielgruppen ins Projekt einbezogen. Im Rahmen der Workshops und einzelner Expertengespräche in der Ukraine wurde auch mehrmals die Idee eines ukrainischen Handbuches zu Policy Analysis und Kommunikation von Forschungsvorhaben angesprochen, dessen Erarbeiten in Erwägung gezogen wird.

Die TeilnehmerInnen der Workshops haben nun die Möglichkeit, die Arbeit an ihren analytischen Publikationen fortzusetzen und sich für eine Studienreise nach Berlin zu bewerben. Im Rahmen der Studienreise werden sie auch die Möglichkeit haben, an der Abschlusskonferenz teilzunehmen und die ausgewählten Policy Papers einem Fachpublikum vorzustellen.

Der Workshop fand im Rahmen des Projektes „Platform for Analytics and Intercultural Communication“ (PAIC) statt, welches das Institut für Europäische Politik (IEP, Berlin) in Zusammenarbeit mit der International Renaissance Foundation (IRF, Kiew) der Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation (DIF, Kiew) und der Denkfabriken-Initiative „think twice UA“ (Kiew) mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in den Jahren 2017–2018 durchführt.


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