Runder Tisch: Denkfabriken in Deutschland und der Ukraine

Am 22. November fand im Institut für Europäische Politik (IEP) ein Runder Tisch zum Thema „Denkfa­briken in Deutschland und der Ukraine: Chancen und  Möglich­keiten einer erfolg­reichen Koope­ration“ statt. Der Runde Tisch wurde dabei im Rahmen des Projekts „Denkfa­briken in der Ukraine: Fachkom­petenz stärken und europäische Zusam­men­arbeit fördern“ veran­staltet, das vom IEP gemeinsam mit der Ilko Kucheriv Democratic Initia­tives Foundation (DIF, Kiew) durch­ge­führt und vom Auswär­tigen Amt gefördert wurde.

Im ersten Teil der Veran­staltung stellten Ljudmyla Melnyk (IEP) und Maria Zolkina (DIF) die Ergeb­nisse der Studie vor, die im Rahmen des Projekts mit dem Ziel durch­ge­führt wurde, Heraus­for­de­rungen und Schwächen ukrai­ni­scher Denkfa­briken zu identi­fi­zieren und Instru­mente zur Stärkung ihrer Arbeit zu erarbeiten. Dazu wurden Inter­views und Umfragen zur Situation und Wahrnehmung ukrai­ni­scher Think Tanks mit deutschen und ukrai­ni­schen Experten durch­ge­führt. Dabei wurde zum einen festge­stellt, dass sich deutsche und ukrai­nische Denkfa­briken in ihren Merkmalen unter­scheiden: Während in Deutschland der wissen­schaft­liche Charakter eines Think Tanks hervor­ge­hoben wurde, betonten ukrai­nische Experten die Advocacy-Funktion einer Denkfabrik. Entspre­chend lassen sich auch Unter­schiede in Methodik und Analyse der Denkfa­briken finden. Auch unter­schieden sich deutsche und ukrai­nische Experten in ihrer Meinung darüber, welche Themen von beson­derem Interesse für das deutsche, aber auch das europäische Fachpu­blikum von Interesse seien. Während ukrai­nische Befragte den Schwer­punkt in den ukrai­nisch-russi­schen Bezie­hungen und den Konflikt im Donbass sahen, betonten deutsche Experten die Nachfrage nach Analysen zum Reform­prozess in der Ukraine, dem Assozi­ie­rungs­ab­kommen sowie zu sozialen Bereichen wie dem Bildungs- oder Renten­system. Nicht zuletzt wurden bei der Befragung auch inter­kul­tu­relle Diffe­renzen deutlich, wie unter­schied­liche Diskus­si­ons­kul­turen oder Vorgehen bei Planung von Projekten. All diese Punkte erschweren eine Zusam­men­arbeit zwischen ukrai­ni­schen und deutschen, aber auch europäi­schen Partnern, und die Wahrnehmung ukrai­ni­scher Denkfa­briken im europäi­schen Forschungs­diskurs. In der anschlie­ßenden Diskussion wurde schließlich darauf hinge­wiesen, dass nur durch den Ausbau insti­tu­tio­neller und fachlicher Kapazi­täten Perspek­tiven zu stärkerer Zusam­men­arbeit ermög­licht werden können. Hier müssen vor allem langfristig angelegte Projekte und ein dauer­hafter Exper­ten­aus­tausch geschaffen werden.

Daran anschließend stellte Nadiia Koval, Foreign Policy Council “Ukrainian Prism” (Kiew), ein Policy Paper zum Thema der Zusam­men­arbeit der Ukraine und der EU im Bereich der Sicherheit vor. Das Paper entstand im Rahmen eines Workshops, welches gemeinsam vom IEP und vom DIF in Kiew für Vertreter ukrai­ni­scher Denkfa­briken durch­ge­führt wurde. Nadiia Koval machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die bisherige Sicher­heits­zu­sam­men­arbeit der EU und der Ukraine von Pfadab­hän­gigkeit geprägt ist, aller­dings den aktuellen Heraus­for­de­rungen – zumindest aus Sicht der Ukraine – nicht mehr entspricht. Das Policy Paper wurde von Dr. Katrin Böttger, stell­ver­tre­tende Direk­torin des IEP, kommen­tiert. Zudem hat Frau Dr. Böttger Vorschläge zur Verbes­serung der Struktur der Publi­kation unter­breitet. Mit einer Diskussion über mögliche Entwick­lungen in der Zusam­men­arbeit fand der Runde Tisch schließlich seinen Abschluss.

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